Marco Anders: Lebendige Hintergründe im Vorbeigehen – Reverser Weltenbau im Dienste der Geschichte

Referent: Marco Anders, Softwareentwickler und Autor

5. & 6. Tischgespräche-Runde (15:00-16:30 Uhr)

Beim Thema „Weltenbau“ denken die meisten an epische Welten, malerische Karten und seitenlange Ahnentafeln, wie man sie von Tolkien kennt. Doch dies ist nur ein Aspekt dieses spannenden Themas, das so viel mehr kann, als den Verlauf von Flüssen oder den Zeitpunkt des Herbstregens zu bestimmen. Jede Geschichte profitiert von einer lebendigen und glaubhaften Hintergrundwelt, in welche sich Handlung und Figuren reibungslos einfügen. Ganz zu schweigen von den vielfältigen Ideen für den Hintergrund von Figuren, Plothooks und Nebenhandlungssträngen, die unweigerlich zu entstehen scheinen, wenn man einmal damit anfängt.

Dieser Workshop bietet einen Einstieg in den „reversen Weltenbau“, der keine Hintergrundwelten aus dem Nichts erschafft, sondern sehr nah an bereits existierenden Handlungen und bereits gesetzten Aspekten des Settings arbeitet und diese mit geringem Aufwand verdichtet und anreichert. Methoden wie die Bedürfnishierarchie, der Leitsatz komplexer Zivilisationen und der Interessen & Konflikte-Baum identifizieren schnell wo Lücken bestehen, die eine Welt unglaubhaft oder leer wirken lassen. Daraus ergibt sich, welche Aspekte erweitert werden können, um diese Lücken zu schließen und ob daraus erwachsenden Konsequenzen für die weitere Handlung beachtet werden müssen.

Dieser Ansatz eignet sich insbesondere auch für Pantser und alle anderen, die ihre Hintergründe erst ad hoc ausarbeiten oder nachträglich anreichern möchten.

Marco Anders ist Softwareentwickler und Vollblutnerd. Seine ersten Schritte als Geschichtenerzähler tat er vor bald 20 Jahren im Pen&Paper Rollenspiel. Inzwischen ist er Verfasser diverser kurzer und weniger kurzer phantastischer und satirischer Geschichten, die er auch auf Lesungen vorträgt. Da ihn die Frage nach dem „Warum“ stets umtreibt, vertieft er sich gerne in Themen wie Erzählstrukturen, Spieltheorie und die wissenschaftlichen Hintergründe des Weltenbaus. In seinen Vorträgen stellt er anschaulich dar, wie Schriftsteller sich die Theorie hinter diesen Themen zu Nutze machen können, ohne selbst allzu tief eintauchen zu müssen.

 

Foto: (c) Dieter Düvelmeyer

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