Sarah Berger: „Niemals werden wir uns (ver)fehlen“ – weibliches Schreiben in exponierten Themenfeldern

Referentin: Sarah Berger, Autorin beim Frohmann Verlag

1. & 2. Tischgespräche-Runde (10:30-12:00 Uhr)

„Die Vergangenheit darf nicht mehr zukunftsbestimmend sein. Ich bestreite nicht, dass die Auswirkungen der Vergangenheit weiterbestehen. Aber ich weigere mich sie zu bekräftigen indem ich sie wiederhole, ihnen etwas Unverrückbares zu verleihen das einem Schicksal gleichkommt, Biologisches und Kulturbedingtes zu verwechseln. Vorausschauen tut dringend Not.“ So eröffnet Hélène Cixous ihren berühmten Essay Das Lachen der Medusa, in welchem sie an das weibliche Schreiben als ein Sich-Einschreiben in den kulturellen Diskurs appelliert.

Männer schreiben über Menschheitsprobleme, Frauen über Frauenprobleme! Auch 2018 wird die literarische Arbeit von Autorinnen anders bewertet als die von Autoren – wenn sie es überhaupt in den Diskurs schafft! Nach wie vor herrscht im Literaturbetrieb ein misogynes Grundrauschen. Autorinnen werden weniger veröffentlicht, erhalten weniger Raum im Feuilleton, sind weniger vertreten, wenn es um Preise und Stipendien geht. Dafür sind sie häufiger mit dem Vorurteil konfrontiert, über sich selbst und die eigenen Befindlichkeiten nicht hinaus zu schreiben; ständig sind sie und ihre Literatur der Gleichsetzung von Autorinnen-Ich und Figuren-Ich ausgesetzt oder müssen sich die Relevanz ihrer Themen zusätzlich erkämpfen.

Das ist die Vergangenheit.

Als Autorin, die bevorzugt über Körper, Sexualität und das kommunikative In-, Mit- und Gegeneinander der Geschlechter schreibt, konnte Sarah Berger reichlich Erfahrung sammeln mit den Irritationen, die das weibliche Sich-Einschreiben in einem noch immer durch das männliche Schreiben dominierten kulturellen Diskurs erzeugen kann. In diesen kleinen und größeren Widerständen sieht sie ein immenses schriftstellerisches Potential und lädt ein zu einem AutorInnen-Talk über weibliche Autorenschaft in exponierten Themenfeldern.

Die 1985 in Timișoara geborene Autorin studierte Philosophie an der Universität Heidelberg und lebt seit 2012 in Berlin. Sie schreibt Essays, Hörstücke und literarische Prosa. Auf Facebook schreibt sie unter Sarah Süßmilch, auf Twitter unter @milch_honig. Ende 2017 erschien ihr Buch Match Deleted – Tinder Shorts im Frohmann Verlag.

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